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Rad am Ring 2016 -"grüne Hölle" die 3.

Am vergangenen Wochenende haben sich mein guter Freund Jörg und ich zum 3. Mal auf den Weg in die Eifel gemacht um zum 2. Mal im 2´er Team beim 24-Stunden Rennrad-Rennen dabei zu sein.
Zum 1. Mal allerdings mit Support, denn nachdem wir im vergangenen Jahr mit relativ wenig Aufwand (=Training) Platz 7 in unserer AK erreichen konnten, sind wir dieses Jahr erstmals mit einem klar formulierten Ziel zum Nürburgring gereist; wir wollten in unserer AK „Masters 2“ -schließlich sind wir zusammen 90 Jahre alt- aufs Podest. Daher war dieses also Katja dabei um uns bei der Verpflegung, der Motivation und nicht zuletzt auf der An-, bzw. Abreise zu unterstützen, was sie, das vorab, super getan hat. DANKE!!
Also kurz der Reihe nach; die Anreise am Freitag nach der Arbeit ging erfreulicherweise gut & staufrei. Unsere Parzelle war wieder am Ende der Grandprixstrecke kurz vor der Einfahrt ins Fahrerlager, wie wir finden ideal zum Wechseln da man den anderen relativ frühzeitig ankommen sieht.
Das Wetter sollte durchwachsen sein, was sich am späten Freitag, bzw. in der Nacht zum Samstag in heftigen Regenfällen bewahrheitete. Samstag zum Frühstück schien aber bereits die Sonne verhalten und die Prognose versprach zumindest einen trockenen Samstag, aber wer die Eifel kennt, der weiß, dass hier eigene Bedingungen herrschen…
Ich sollte den Start übernehmen –auch wenn mir so ein Gedränge eigentlich nicht sonderlich liegt- und so reihte ich mich knapp eine halbe Stunde vor dem Start in die Masse an Rennradfahrern auf der Start-Ziel-Geraden ein. Der Countdown war schon beeindruckend, wenngleich ich zugeben muss, dass mir und meiner Nervositätsblase ein Triathlonstart praktischer erscheint… ;-)
Start 1

Aufgrund meines Respektes vor zu großem Gedränge auf dem Rennrad war die ersten beiden schnellen Gruppen weg, aufgrund eines Sturzes vor mir, den ich zum Glück umfahren konnte, wurde es auch mit der 3. Gruppe knapp. Diese verlor ich eingangs der Nordschleife auch, da auch hier mein von Berufswegen sehr gelebtes Motto „safety first“, mich den Anschluss nach einem erneuten Sturz direkt vor mir verpassen lies. Nun ja, zugegeben fand ich es einerseits nicht so schlimm, da 24 Stunden ja genug Raum lassen sich gut zu positionieren, aber da es anfangs recht windig war, ist es natürlich unschön nach einem zügigen Start dann alleine im Wind auf die Nordschleife zu gehen..
Die Runde lief dann aber ganz gut und ich stellte fest, dass viele von den Fahrern um mich herum wohl aus 4´er oder 8´er Teams waren und somit natürlich mit einem höheren Tempo starten können. Ich begann mit zwei Runden und wir wechselten dann erstmals. Mein erstes Fazit war; Position als Ausgangslage ganz gut aber so richtig gute Beine hatte ich leider nicht.
Jörg fuhr ebenfalls zwei Runden und schien ganz zufrieden. Den Modus nach zwei Runden zu wechseln hielten wir zunächst aufrecht, da es uns etwas „stressfreier“ erschien, d.h. der nichtfahrende hat etwas mehr Zeit zur Erholung.´
Jörg in action
Nachdem jeder 2 Turns durch hatte wagte Katja einen Blick in die Echtzeitergebnisse und wer hätte das gedacht?! Nach knapp 8 Stunden Renndauer lagen wir in der AK-Wertung auf Position 1 mit knapp 9 Minuten Vorsprung!
Zum Einbruch der Dunkelheit hielten wir den zweier-Modus bei, denn es funktionierte ja scheinbar recht gut. Mit zunehmender Renndauer bekam ich allerdings immer mehr Beschwerden mit meinem Verdauungssystem; Isodrinks, Gel und Riegel wollte er einfach nicht mehr hinnehmen –obwohl ich an meiner Ernährung seit Jahren nichts umgestellt habe und diesbezüglich ja mit Sponser auch immer hervorragend gefahren bin..?! Nur mit trockenem Brot und Cola schlückchenweise fehlt auf Dauer allerdings der Kraftstoff für richtig Kraft in den Beinen..-das Rennen wurde für mich also härter als gedacht, zwischenzeitlich dachte ich daran einfach nicht wieder aufs Rad zu steigen…-aber der Kopf dominiert ja den Körper lange.., sehr lange… Gegen halb sechs wagte ich einen Energieriegel –den ich gut vertrug und konnte auch wieder Elektrolyte auffüllen –und zack das Tempo ging wieder hoch. Da unsere Verfolger in der Nacht aber bis auf 2 Minuten an uns herankamen, war das auch bitter nötig.. Daher entschloss ich mich auch aus taktischen Gründen die nächste Runde so schnell wie möglich zu fahren, in der Hoffnung den Abstand wieder etwas größer werden zu lassen und so zu zeigen, dass wir noch „da“ sind.. und siehe da, die Beine gingen wieder und wir konnten einen deutlichen Zahn zulegen. Da die zweite Runde von Jörg und mir jeweils etwas langsamer wurde als die erste, beschlossen wir nun auf einen „Einerwechsel“ umzusteigen um das etwas höhere Tempo halten zu können.
Der Vorsprung nahm wieder zu, also hieß es so langsam Daumen drücken, dass uns nicht noch ein technischer Defekt oder ein erneutes „Kalorienaufnahmedefizit“ ereilt..
Es lief aber zum Glück weiter alles wie am Schnürchen und wir konnten unsere Runden weiter konstant abspulen und die grandiose Strecke der Nordschleife teilweise auch genießen ;-) ok, es gibt Stellen, die sind egal wann sensationell (Fuchsröhre, Brünnchen, Grandprixstrecke) und einige, die machen nur bei frischen Beinen, blauem Himmel und vormittags an ungeraden Tagen (oder so ähnlich) Spass –die hohe Acht zum Beispiel, die eigentlich gar nicht so hoch ist, aber irgendwie trotzdem nur selten „Flow“ hat..
Aber was soll ich sagen, wenn selbst der Hawaii-Sieger und Weltmeister Sebastian Kienle nach seinem Start beim Zeitfahren am Freitag erkannt hat, das die „grüne Hölle“ Ihren Namen nicht umsonst hat…-und er ist nur eine Runde gefahren.. ;-))
Ziel
In jedem Fall hatten wir trotz des (bewußten) Leidens wieder unseren Spass und das, was Jörg und ich in zahlreichen gemeinsamen Momenten (auf und abseits des Rades) schon längst erkannt haben wurde deutlich bestätigt; wir sind ein gut funktionierendes Team: Platz 1 in der Masters2 Wertung mit einer Runde Vorsprung und Platz 4 in der Gesamtwertung aller 2´er Teams!
Podest
Liste
Danke Jörg –wie schon gesagt, es war mir eine Fest und eine Ehre zugleich;
jörg & ich
Und Danke Katja für Deinen physischen und psychischen Support!
ich wäre 2017 wieder dabei, denn
Du bist nicht Du
da kann das Projekt ja dann nur heißen; Titelverteidigung, oder?!

Allgemein | Rennberichte | Sport-Wettkampf | 5. August 2016


Rad am Ring oder "ein Ring Dich zu knechten"

Am vergangenen Wochenende habe ich doch tatsächlich meine Wettkampfpause unterbrochen -eine Folge meiner Inkonsequenz in einer Bierlaune im vergangenen Jahr „klar fahre ich mit“ gesagt zu haben, bzw meiner Konsequenz stets zu meinen Aussagen zu stehen..
Am Freitag reisten wir also in die Eifel um das 24 Stunden Rennen bei Rad am Ring, einem Rennen auf der legendären Nordschleife in Angriff zu nehmen, geplant war ein Start im 4’er Team, aber aufgrund einer Absage reisten wir zu dritt an; der radbegeisterte Teaminitiator Olli, mein langjähriger Radtrainingspartner Jörg und icke, der das letzte ernsthafte Radtraining mit Jörg auf Mallorca absolviert hatte (das war Anfang Mai!).
Am späten Abend erreichten wir den Ring und unsere Box, nahezu routiniert richteten wir unser Camp ein und dann ging es erstmal ins Bett.

Am Samstag stand nach dem Frühstück zuerst die Registrierung an und dann eine lockere Einrollrunde, schon hier wurde klar, es würde ein lustiges Wochenende werden -in jeder Hinsicht.. Ich verfluchte mich bereits das erste Mal selbst, denn ich hatte den Kopf im Vorfeld so voller Dinge, dass ich mit meiner Standardübersetzung aus Sachsen-Anhalt anreiste: 42:21 -das geht im welligen nur mit dicken Beinen, aber die waren ja mangels Training auf der heimischen Baustelle verblieben.
Aber auch andere hatten entscheidende Erkenntnisse bei den ersten Anstiegen der Einrollrunde, so auch Olli, der feststellte „ich hätte die zweite Portion nicht essen sollen! -die letzten Jahre..“ Schnell war also klar, wir sitzen alle drei irgendwie im selben Boot, bzw fahren alle den gleichen Ring..

Olli, als der höchst motivierte unter uns, was das Rennen und vor allem auch das Gedränge beim Start angeht, machte sich dann also auf den Weg zur Startaufstellung, während Jörg und ich noch etwas relaxten und sinnlos leere Kalorien bunkerten. Der Plan war, tagsüber nach jeder Runde zu wechseln -also etwa jede Stunde (+-), nachts dann alle zwei Runden.
Nach dem Start geht es zunächst über die GrandPrixStrecke und Olli kam nach dieser Schleife im ersten Drittel liegend zurück -kein schlechter Start also- um dann kurz hinter unserer Box auf die legendäre Nordschleife einzubiegen.
Nach einer knappen Stunde ging es dann für mich das erste mal raus, der erste Teil der Runde auf der Nordschleife geht vornehmlich bergab, unter anderem die „Fuchsröhre“ hinunter, wo man leicht Geschwindigkeiten von 80-90 km/h erreicht.

Ab dem Streckenabschnitt „Bergwerk“ -hier verunglückte 1976 Niki Lauda- geht es dann aber ebenso lange wieder bergan, schließlich sammelt man auf den 26,4 km rund 580 Höhenmeter. Mir klangen noch Ollis Schauergeschichten über den schier unmenschlichen Anstieg zur „hohen Acht“ im Ohr und so fuhr ich etwas verhalten und wartete auf „den Hammer“, als ich schließlich den Streckenbaschnitt „Döttinger Höhe“ erreichte, glaubte ich zu wissen, dass die Runde ja gleich zu Ende sein müßte -war sie auch, noch eine kurze Welle und man biegt wieder auf die GrandPrixStrecke ein. Dann mußte diese eine Welle vorhin, die zwar weh tat, aber in meinen Augen weder extrem steil noch sonderlich lang war, wohl die „hohe Acht“ gewesen sein (das Schild hatte ich in der ersten Runde nicht gesehen..).

Nachdem ich auf Jörg gewechselt hatte -musste ich das kurz mal mit Oli ausdisskutieren, aber meinen Vorschlag, mal mit uns ins Trainingslager zu kommen um „richtige Berge“ zu fahren, wurde vehement (& auch am weiteren Wochenende) abgelehnt.. Meine erste Runde lag bei etwas unter 50 Minuten und das überraschte mich selbst wohl am Meisten, denn wie gesagt, ich saß vorher 4 Wochen nicht auf dem Rennrad und geregeltes Training gibt es bei mir schon seit Monaten nicht mehr.. Aber scheinbar wirken Ute´s Pläne noch nach.. ;-)
Die ersten Stunden vergingen quasi wie im Flug, da auch das Wetter hervorragend (und ja eigentlich Eifel untypisch) mitspielte. Die Zeiten blieben recht konstant und die Platzierung wurde stetig besser -welch ein Spaß!

Ich freute mich zum Einen auf die Nacht, zum Anderen war ich aber auch gespannt, wie es sich anfühlen würde. Nachts aufzustehen und adhoc wach zu sein bin ich ja von Berufswegen her gewohnt, aber auch noch körperliche Leistung abliefern?
Geht!
Und zwar besser als gedacht, die etwas langsameren Rundenzeiten erklären sich in erster Linie durch das mangelnde Tageslicht und eine mittlerweile auch bei mir bestehende Hemmschwelle bergab..,zumal ein nicht mehr ganz taufrischer Akku mein Licht zur Funzel degradierte und sich im wahrsten Sinne des Wortes blind darauf zu verlassen, dass die Rennstrecke immer noch so aussieht wie einige Stunden zuvor im Hellen, lässt die Hand doch hin und wieder öfter nach dem Bremshebel tasten..

Ich fuhr meine letzte Nachtrunde von ca. 4:30 bis 5:30, das heißt also, ich durfte den Sonnenaufgang über der Nordschleife und der Nürburg erleben -wirklich ein Traum mit dem aufsteigendem Morgennebel.
Am Sonntag zog es sich dann allerdings doch etwas und aus Mangel an Kraft oder/und Motivation des restlichen Teams hatte ich dann die Ehre (bzw den Ehrgeiz) die Schlussrunde zu fahren, damit dies Runde Nr. 25 sein konnte, mussten wir vorher nochmal etwas Druck machen um den Cut-Off zu schaffen, aber es hat, auch dank Jörg´s konstant schnellen Rundenzeiten, gut geklappt!
Ich konnte eine nicht zu langsame Schlussrunde fahren und trotzdem konnte ich sie genießen. Vor der Zielgeraden warteten dann Olli und Jörg und wir fuhren das letzte Stück gemeinsam.

Am Ende standen zu dritt also 25 Runden a 26,4 km mit je 580 Hm, d.h. also insgesamt knapp 660 km und 14.500 Hm.

Viel wichtiger sind für mich aber einige andere Punkte;

1) es war eine grandiose Erfahrung und vor allem ein tolles gemeinsames Erlebnis! Danke Jungs!!
2) Wettkampfsport kann auch ohne leistungsorientierte Ziele Spaß machen
3) systematisches Training ist scheinbar überbewertet.
4) bei Ausblendung von 2. würde mich eine Wiederholung -auch im noch kleineren Team (alleine?) reizen…

Wie ja schon so oft hier geschrieben– I’ll be back!

Allgemein | Rennberichte | 31. Juli 2014


Ironman Hawaii 2013 -the race

Der Tag des Jahres begann wie immer vor einem Ironman früh, aber hier in Kona besonders, denn hier in Kona kann man nicht einfach so in die Wechselzone schlendern wie bei einem gewöhnlichen IM;
zunächst sind die Wege relativ lang, aber es ist alles straff organisiert, quasi generalstabsmäßig geplant. Man wird als erstes zum „bodymarking“ geschleust, wo jeder Starter seine Nummer als Temporarytattoo auf beide Arme bekommt, anschliessend wird jeder Athlet gewogen, auch wenn kein direkter Kampf Mann gegen Mann ansteht!
-denn wie bekommt man schnellst möglich und ohne Labor heraus, ob es ein Hydratationsproblem ist, wenn es einem Athleten schlecht geht?? -richtig, man wiegt Ihn vor dem Rennen und im Notfall! echt beeindruckend simpel..
Allerdings verzögert dieser Ablauf etwas den Weg zum Rad -das muss man vorher wissen!



Dann endlich an meinem Rad angekommen, einfach alle Handgriffe wie immer; Flaschen ans Rad, Reifen aufpumpen, Ernährung verstauen, Salztabletten kleben..



Schließlich nochmals die Wege in der Wechselzone einprägen und dann mit dem obligaten Dixie-Umweg zum Start. Ich bin relativ zeitig nach dem Start der Profi´s ins Wasser, da ich gerne etwas abseits des großen Gedränges starten wollte, spätestens als mir dann aber an der Startlinie wartend die Zähne klapperten hab ich das zeitige ins Wasser gehen halbwegs bereut.
Die ganze Inszenierung des Startes war da noch zusätzlich Gänsehaut erzeugend -einige Maoris trommelten in atmenraubenden Rhythmen und bliesen dazu eine Melodie auf Muscheln. Mit einem lauten Kanonenschuss begann dann die vermutlich größte Waschmaschine der Welt -im Schleudergang!! ich kam recht gut weg und konnte die ersten paar hundert Meter gut schwimmen, dann allerdings musste ich feststellen, dass meine Arme sich nicht so recht frisch anfühlten und ich nicht so beherzt „durchziehen“ konnte wie sonst gewohnt. Da bekam ich dann auch umgehend zu spüren, was es heißt am Start einer Weltmeisterschaft zu stehen -hier wird quasi schon der Gedanke daran etwas Tempo rauszunehmen damit bestraft, dass einen sofort zahlreiche Athleten „kassieren“ -ich sollte später am Tag nach bitter merken, wie hoch die Leistungsdicht hier ist..
Die Kombination der nicht so recht frischen Arme und das zunehmend tiefe Wasser erzeugten bei mir den Eindruck ich würde im Wasser stehen, das Wassergefühl wollte sich nicht so recht eisntellen und ich fühlte mich wie der berühmte Eimer -mit der Öffnung nach vorne ;-)
Die Wende zog sich und umso mehr dann der Rückweg, ich stellte mich moralisch auf eine Wasserverweildauer (also eigentlich ja Schwimmzeit) von mehr als 1 Stunde ein..-ich wurde glücklicherweise mit einer 57:57 postiv überrascht.
Der Wechsel lief -auch wegen der wieder zahlreich vorhandenen Volunteers super, man wird zu seinem Beutel gewunken, der einem dann gereicht wird, im Wechselzelt hat jeder einen eigenen Helfer, der Sachen anreicht, Sonnencreme aufträgt -what ever you like!!
Sein Rad in der vollgestellten Wechselzone zu finden ist auch kein Thema, wenn man anhand seiner Startnummer erneut in die richtige Zeile gewunken wird.


Nun also Helm auf und raus aufs Rad, am Ausgang der Wechslezone und auf dem ersten Stück bergan ist die Hölle los -Wahnsinn! -trotzdem sah ich meine Freundin Katja und winkte Ihr sogar zu -im livestream sah es wohl aus wie ein Winken in die Kamera -das ist professioneller Umgang mit den Medien ;-)

zunächst führt die Radstrecke in einer kleineren Schleife durch die Stadt, hier ist richtig Alarm durch tausende Zuschauer! und man merkt erneut, wie viele Athleten bei einer WM unter einer Stunde schwimmen könnnen..
Nach dieser „Einrollschleife“ geht es dann über die deutlich ansteigende Palani Road auf den Queen K Highway und dann raus in die Lavafelder. Zuschauer werden dort zwar rarer, aber es sind wahnsinnig viele Athleten dicht beieinander, ich entschied mich, wie eigentlich immer als Triathlet, der den einsamen Kampf von sich selbst gegen die Uhr sucht, für das vorne weg fahren.. Doch das ist gar nicht so leicht, wenn von hinten Gruppen von >20 Mann im Teamzeitfahrstil kommen und man „geschluckt“ wird -man kann sich hier kaum schnell genug nach hinten rausbremsen und so passierte es…unmittelbar nachdem eine Gruppe mich erreichte und mich einige sogar rechts auf der eigentlich nicht zur Strecke zählenden Standspur überholten, fuhr ein Race-Marshall neben das Knäuel und griff eher wahllos durch -auch ich bekam eine rote Karte, d.h. 4 Minuten Zeitstrafe im nächsten Penalty-Zelt. Ich empfand es als absolut ungerechtfertigt, aber „never argue with a referee -period!“ Bis zum nächsten Zelt waren es gute 20 Kilometer, welche man dann natürlich irgendwie desillusioniert bestreitet, dann rechts ran, eine Stopuhr entgegengenommen und die vier scheinbar endlosen Minuten runterlaufen sehen, wer jetzt denkt so ein Päuschen kann man ja auch zur Erholung nutzen..-NEIN, denn essen, trinken oder gar ein Abstecher zum WC sind nicht zulässig! und hier war sie wieder, die unglaublich hohe Leistungsdichte; es fuhren >200 Anthleten an mir vorbei!! -das trägt jetzt auch nicht zur Stimmungsoptimierung bei, zumal man einerseits seinen Frust auch nicht in „überzocken“ rauslassen sollte auf einer Langdistanz, andererseits will man auch nicht eine zweite Karte (welcher Farbe auch immer) riskieren, denn zwei Karten bedeuten die Disqualifikation!!
also habe ich von nun an immer sofort die Bremse gezogen, wenn eine Gruppe aufschloss, was natürlich zu einer etwas arrhythmischen Tempogestaltung führte.
Der weitere Hinweg zum Wendepunkt nach Hawi verlief soweit gut, bergan machte ich wieder ordentlich Boden gut, allerdings war ich schon recht fassungslos was einige Athleten bei einer Weltmeisterschaft so an Windschattenverhalten an den Tag legten. Die Ironman WM eine RTF? Der Mythos Hawaii bröckelte..

Nochmal für alle und für einige (viele?!) zum Verinnerlichen:



Auf dem Rückweg aus Hawi setzte ab dem Abzweig auf den Queen K Highway gehöriger Gegenwind ein, ich war mittlerweile weitestgehend alleine und da ich in Hawi noch eine Radzeit von unter 5 Stunden vorausberechnet hatte, hielt ich kontrolliert rein -die Beine waren gut. Ich erreichte die Wechselzone am Pier in Kona nach 4:58:33 -und das inkl. der Strafe, die realistisch betrachtet ja weit mehr als die rechnerischen vier Minuten gekostet hatte, „very nice!“
Auch der zweite Wechsel lief gut, Helfer ohne Ende; das Rad wird einem abgenommen und man wird zu seinem Beutel gelenkt, beim Schuhwechsel bekam ich ein kaltes Handtuch umgelegt -cool! im wahrsten Sinne.., allerdings bemerkte ich beim verlassen des Wechselzeltes, dass ich ein Beutelchen Salztabletten verloren hatte.
Die ersten Kilometer liefen gut, ich konnte nach einem bewußt etwas verhaltenem Laufstart das Tempo auf meine Zielpace erhöhen. Die Beine waren weiter gut, aber die Hitze war zu Beginn des Marathons schon recht ordentlich, zumal sie auf den ersten 15 Kilometern zu stehen schien. Beim erneuten Anstieg, der Palani Road hinauf zum Queen K, hatte ich das Gefühl zu kochen, also Tempo runter und Eis, Eis, Eis.. Es ging dann wieder besser, bis sich mein Magendarmtrakt zunehmend beschwerte, allerding ohne sich für eine klare Richtung der Peristaltik zu entscheiden..-nicht sonderlich hilfreich wenn der Plan eigentlich heißt oben wichtige Flüssigkeit und Kalorien rein und möglichst nichts unten raus.. ;-) Die Laufsplits wurden langsamer und ich ging an den Verpflegungsstellen um meinem Körper etwas mehr Ruhe zu können das Angebot an Flüssigkeit und Gelen zu aktzeptieren. Der Marathon wird also lang werden, was soll´s. Mein Wunsch- und Basisziel war ja finishen, das sollte wohl irgendwie drin sein, aber das wieder anlaufen wurde von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt nicht unbedingt einfacher. Irgendwann draußen auf dem Highway als sich meine Innereien mal wieder wanden, merkte ich ein „Platschen“ unter meinen Füßen, ich sah nach unten und entdeckte einige „Brüllpizzen“ und stellte eher zufrieden fest, dass es anderen an dieser Stelle wohl noch bescheidener gegangen sein musste..

der Marathon zog sich, denn während die ersten 15 Kilometer in der Stadt noch richtig Stimmung ist, so ist es draußen auf dem Highway eher ruhig und ab einem bestimmten Punkt sind Zuschauer sogar verboten, d.h. ins berüchtigte Energylab läuft man alleine -naja, mittlerweile hatte ich eine Position im Feld „erreicht“ wo es recht voll ist, aber zumindest Zuschauer gibt es nicht. Wenn man nach dem Wendepunkt im Energylab wieder den Highway erreicht, hat man noch 12 Kilometer vor sich, ich rechnete wieder ein wenig rum und entwickelte wieder zunehmend Ehrgeiz -sub 10 sollte auch mit diesem bescheidenen Marathon noch drin sein, wenn ich mich noch ein wenig mehr quäle.. gedacht, getan, zumindest teilweise konnte ich das Tempo ab und an forcieren.
Ich hatte mir im Vorfeld vorgenommen den letzten Kilometer auf dem Alii Drive -also der Zielgeraden- zu genießen, naja, sagen wir die sensationelle Stimmung hat zumindest den fehlenden Spass kompensiert und die magischen Worte von Sprecher Mike Reilly „YOU ARE AN IRONMAN!“ haben dann schon noch für Gänsehaut gesorgt, als ich nach 9:46:47 die Ziellinie überquert habe.




Ich zähle also in diesem Jahr trotz des Marathons hinter meinen Möglichkeiten und der mentalen Entmythifizierung im Rennverlauf zu den schnellsten 500 Triathleten der Welt über die Langdistanz und habe mir meinen Traum, ein Mal auf Hawaii zu starten -und zu finishen- erfüllen können, nun heißt es erstmal Urlaub und sich sortieren, danach gibt es sicher auch wieder eine Info auf dieser Seite.
So long, hang loose! Mahalo & Aloha!

Allgemein | Rennberichte | Sport-Wettkampf | 13. Oktober 2013